15 Oktober 2006

Das Projekt: Buchmarkt und Geschichtswissenschaft

Wie verlief die Vermittlung von Geschichtswissen vom Experten an den Laien in der Goethezeit? Dies war die Ausgangsfrage meiner Dissertation, die ich im März 2006 eingereicht habe. Zur Beantwortung wählte ich ein neuartiges Analyseverfahren, in dem Wissenschafts-, Ideen- und Verlagsgeschichte erstmals organisch miteinander verknüpft werden. Die zentrale These lautet: der Verleger nahm innerhalb des Wissenstransfers eine Schlüsselposition ein. Selbst zur Gruppe der historisch-interessierten Laien gehörend, konnte er einerseits deren Orientierungsbedürfnisse in konkrete Anforderungen an die fachgebundenen Historiker übersetzen, andererseits seine profunde Marktkenntnis zur optimalen Verbreitung der Inhalte nutzen. Das Verhältnis von kaufmännischem Impetus und individuellem Sinnbildungsprozess im jeweiligen gesellschaftlichen Kontext bestimmte maßgeblich das verlegerische Handeln.

Als Untersuchungsobjekt bot sich der Verleger Friedrich Christoph Perthes (1772-1843) an, dessen Verlagsprogramm den Schwerpunkt Geschichte aufwies, der sich intensiv mit dem Zusammenspiel von Buchhandel und Wissenschaft beschäftigte und der eine Vielzahl von reflektierenden Selbstzeugnissen hinterließ. Die breite Quellenbasis der Arbeit mit vielen bislang unbekannten Dokumenten ermöglicht nicht nur eine intensive Auseinandersetzung mit der Ausgangsfrage, sondern gewährt neue Einblicke in das Leben und Wirken der Leitfigur des deutschen Buchhandels.

Die Ergebnisse des Forschungsprojekts werden unter dem Titel "Geschichte als Ware" in der Schriftenreihe der Historischen Kommission für Thüringen veröffentlicht.

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